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23.11.2020-02.12.2020

26.09.2020 - OSR Dir.i.R. Johan Wöhrer feierte 100. Geburtstag  (NEU)


Er ist einer der letzten Zeitzeugen, die heute nach über 77 Jahren nach der "Mutter aller Schlachten", dem Kampf um Stalingrad, im Fronteinsatz war, dabei schwer verwundet wurde - und noch am Leben ist. Jetzt feierte der langjährige Direktor der einst größten Hauptschule des Bezirks, nämlich jener von Pernitz, am 25. September in geistiger Frische seinen 100. Geburtstag. Fit hält sich der Jubilar, OSR Dir.i.R Johann Wöhrer, der kein Medikament nimmt, mit Lesen, Tagebuch schreiben und Radio hören.

Coronabedingt gab es keine große Feier, nur täglich kamen einige wenige Gratulanten, beginnend bereits eine Woche vorher in die ausgeräumte Garage seines Hauses in der Waldstraße, wo ein großer Tisch aufgestellt wurde, damit die Abstandsregeln eingehalten werden. Unter den vielen Gratulanten kamen am Jubiläumstag auch die Gemeinde mit Bgm. Johann Grund und Vzbgm.
Leopold Schagl und einem Ehrengeschenk, die für das Engagement bei den Vereinen dankten und Wöhrer weiterhin Gesundheit und Lebensfreude wünschten.

Auch die Vereine, begonnen vom MGV "Edelweiß" Hölles über den Sportverein, wo er 1967 Mitgründer war bis hin zur Feuerwehr und dem erschönerungsverein sowie GfGR Hermann Mocek gratulierten herzlichst zum 100er.
Geboren wurde "Hans" 1920 in seinem geliebten, damals nicht einmal 30 Häuser-Dorf Hölles, wo es ihm später auf seinen vielen Wegen immer wieder zurückgezogen hat - und wo er auch einmal seine Augen für immer schließen möchte!

Damals bei seiner Geburt ging gerade die seit 1918 andauernde Spanische Grippewelle zu Ende, die weltweit mindestens 20 Millionen Tote forderte (Schätzungen zufolge könnten es bis zu 50 Mio Tote gewesen sein!).
Nach der Volksschule in Matzendorf und der Hauptschule in Leobersdorf absolvierte er die Lehrerbildungsanstalt in Wr. Neustadt. Gerade fertig mit dem Studium, musste er 1941 in den Kriegseinsatz, der ihn später in die "Mutter aller Schlachten", in den Kessel von Stalingrad führte.
"Dort kam ich beim Pfosten holen bei der Wolga in einen Artellierebeschuss und wurde mit Granatsplitter über dem Auge und in der Leber verwundet. Weil es vor Ort keine medizinische Versorgung gab, war ich tagelang allein zu Fuß unterwegs, bis mich ein Militärtransporter in die Ukraine mitnahm, wo ich in einem Feldlazarett notdürftig versorgt wurde", erzählte er dem Autor dieser Zeilen schon vor vielen Jahren.
Nach dem Tod seines Vaters 1942 und seiner Rückkehr nach Österreich 1943 kam er als Junglehrer nach Pohrlitz in Südmähren, wo er im gleichen Jahr seine spätere Frau Julia kennenlernte. 1944 gab`s Hochzeit in Znaim, kurz später kam Sohn Gerhold zur Welt. Die Jungfamilie musste Anfang 1945 flüchten - und kam so für immer nach Hölles zurück. Nach seiner Volks- und Hauptschullehrertätigkeit in Matzendorf und Felixdorf war er von 1968 bis zur Pensionierung 1981 Hauptschuldirektor in Pernitz.

Nebenbei betrieb der Hölleser Anfang der 1960er Jahre in der Landwirtschaft seiner Mutter die schwere Arbeit der Pecherei und bearbeitete mit seinem Sohn 1800 Pechbäume. Beim örtlichen Männergesangverein war er Obmann von
1961 bis 1991, war bei der Feuerwehr und beim Verschönerungsverein ebenso wie Mitgründer des örtlichen Sportklubs mit Langzeitobmann Hubert Uhlschmid.
Hätte es die Gründer nicht gegeben, gäbe es heute womöglich gar keine Sportstätte, denn es war bereits an dieser Stelle die Aufschließung für Wohnhäuser geplant.
Stalingrad-Heimkehrer haben nie viel über Ihre furchtbaren Erlebnisse berichtet, das meiste haben sie mit ins Grab genommen. Nur so viel sagte der Jubilar schon vor 5 Jahren zu seinem 95. Geburtstag: "Ich habe in meinem Leben viel gesehen und erlebt!"

Auch den tragischen Tod seiner geliebten Gattin Julia musste er verkraften:
Vor 20 Jahren brach sie plötzlich beim Einkaufen beim Fleischer im Nachbarort Felixdorf im Geschäft zusammen und war tot.
Stolz ist er heute noch auf seine beiden Kinder Ilse und Gerhold: Ilse war ja Volksschulleiterin in unserer Gemeinde, Gerhold leitender Angestellter bei der Firma Triumph.

Auch der KURIER widmete dem Jubilar am Samstag, 26.9., einen Bildbericht, weil er seit 40 Jahren täglich als Morgenlektüre die Tageszeitung liest und so umfassend über die Ereignisse in der Heimat und in der Welt informiert ist.
Als er einmal im Wr. Neustädter Spital war, "stand sein Leben auf der Kippe", wie Tochter Ilse Pammer erzählt. Doch der "Kämpfer" Wöhrer gab sich nicht auf, begann noch im Krankenbett mit Gymnastikübungen und war bald wieder genesen. "Viele Menschen sterben, weil sie sich aufgeben und keinen Willen mehr haben", meinte er damals nach seiner Krankenhausentlassung.

Der geistig fitte Oberschulrat sieht das Alter als "Geschenk und Gnade", nicht als Belastung und hat noch immer "Freude am Leben" und denkt positiv und ist zufrieden. Medikamente nimmt er keine "Die brauch`i ned, denn wennst damit anfängst, brauchst immer mehr!", meint er.
Im Wohnungsinneren geht er alleine, beim täglichen Nachmittagsausflug fährt ihn seine Pflegerin durch seine geliebte Waldstraße bis zur Trift nahe dem Waldrand und zurück zum Bankerl, wo er meist auf Katharina Wöhrer, die nur wenige Häuser entfernt wohnt und in 2 Wochen 102 Jahre alt wird, trifft.
Urlaub hat der Hochbetagte nie gemacht. Sein Urlaub war stets zu Hause in seinem Geburts- und Heimatort Hölles neben seinem geliebten Föhrenwald und in der Nähe seiner großen Familie, die ja nicht weit weg von ihm wohnt. Auch damals, als er in Pernitz eine Dienstwohnung hatte und von Sonntag abends bis Freitag nachmittags im Piestingtal wohnte und sich am Wochenende in seinem Zuhause in Hölles erholte.

Der Jubilar dankt und freut sich über die vielen Gratulanten. Gedanken an den Tod und das Danach scheinen ihm zumindest äußerlich nicht allzu sehr zu kümmern, denn als wir zum Abschied sagten, dass wir uns in 5 Jahren auf jeden Fall hier wieder zum Halbrunden sehen, lacht er und meint "A bissl is eh no Zeit!".

Nochmals herzlichsten Glückwunsch zum 100er!


Fotocredit(s): Gerhold Wöhrer, Patrick Wammerl/Kurier, Ernst Schagl
Text: Ernst Schagl

TIPP: Mit einem Klick auf kann das jeweilige Bild heruntergeladen werden!

zuletzt aktualisiert: 26.09.2020 20:07:42 

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